24. - 28. August 2022
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SPECIAL 
PROFIL PAYSANS - Bäuerliche Profile

 

Die Trilogie von Raymond Depardon

Das diesjährige Special ist der dreiteiligen Langzeitdokumentation des renommierten französischen Fotojournalisten und Filmemachers Raymond Depardon über Lebens- und Überlebensweisen abgelegen wirtschaftender Bauernfamilien in Frankreich gewidmet, die er zwischen 2001 und 2008 drehte und die ihm den Prix Louis Delluc einbrachte.



PROFILS PAYSANS: L’APPROCHE

PROFILES OF FARMERS – THE APPROACH

FR 2001, 93 min, Französisch, OmeU, R/B: Raymond Depardon, K: Raymond Depardon, Beatrice Mizrahi, S: Roger Ikhlef, Sandrine Romet-Lemonne

Das erste Kapitel der Filmtrilogie über das Leben auf dem Land führt uns in die Gegend von Lozère, Haute-Saône, Ardèche und Haute-Loire, in jene bäuerliche Welt, die Depardon, aufgewachsen auf einem Bauernhof im Saône-Tal, von Kindheit an kennt. Überraschend sein Entschluss, sich mit nur wenigen Ausnahmen auf Innenaufnahmen zu beschränken. Von Anfang an verweigert er alles Pittoreske, jede touristische Betrachtung dieser Berglandschaften, um sich auf die alltäglichen Gespräche dieser Bäuer*innen und die Beobachtung der sozialen Kontakte in ihren komfortlosen Küchen zu konzentrieren. Raymond Depardon begibt sich in den südfranzösischen Cevennen auf die Suche nach kleinen landwirtschaftlichen Betrieben, die häufig von alten, einsamen Menschen aufrechterhalten werden. Er entdeckt eine Welt jenseits konventioneller Vorstellungen von landwirtschaftlicher Effizienz und zeigt ein nahezu archaisches Leben, in dem Wartenkönnen eine Tugend ist. Dabei werden die Zuschauenden mit einer sich auflösenden Ökonomie vertraut gemacht, deren einziger Reichtum die Zeit ist. Ein lakonischer, unaufgeregter und unsentimentaler Abgesang, der gleichwohl voller komischer Momente steckt; man spürt die Nähe des Filmemachers zu "seinen" Bäuerinnen und Bauern.


PROFILS PAYSANS: LE QUOTIDIEN

PROFILES OF FARMERS – DAILY LIFE

FR 2005, 83 min, Französisch, OmeU, R/B: Raymond Depardon, K: Raymond Depardon, S: Simon Jacquet

Die ländlichen Gebiete von Lozère, Ardèche und Haute-Loire liegen in den Bergen im Zentrum von Frankreich; sie sind bekannt für ihre Landwirtschaft. Der Dokumentarfilm zeichnet einen eindringlichen Lagebericht zur Situation der französischen Kleinbauern, denen aufgrund der europäischen Agrarpolitik und der Globalisierung die Existenzgrundlage immer mehr entzogen wird. Die vormals von Familien betriebenen Bauernhöfe in dieser Region werden aufgrund von Verordnungen der Europäischen Union zunehmend in luxuriöse Landsitze umgewandelt. Die landwirtschaftliche Industrie in Frankreich wurde inzwischen überwiegend monopolisiert und liegt in den Händen weniger Großkonzerne. Junge Bäuer*innen, die sich in diesen Gebieten niederlassen möchten, sind permanent mit bürokratischen und finanziellen Schwierigkeiten konfrontiert. Raymond Depardon bezeugt den Bäuerinnen und Bauern seinen Respekt, die trotz der sich wandelnden Zeiten an einer Lebensweise festhalten, die es ohne sie nicht mehr gäbe.



 

PROFILS PAYSANS: LA VIE MODERNE

PROFILES OF FARMERS – MODERN LIFE

FR 2008, 88 min, Französisch, OmeU, R/B/K: Raymond Depardon, S: Simon Jacquet, M: Gabriel Fauré

Nach den ersten beiden Filmen über die Region Lozère in den Cevennen sowie das Haute Ardèche begibt sich Depardon im Schlussteil seiner Trilogie in das Haute-Loire, um auf den Spuren einer fast vergessenen Kulturform zu wandeln. Wenn er den Bäuer*innen ganz langsam bei ihren Verrichtungen zusieht, die Kamera lange, unbebaute Feldwege entlangstreifen lässt, der Liebe zum dünn besiedelten Land nachspürt, mit denen manche seiner altgewordenen Held*innen sich an Aufgaben festhalten, die heutzutage keiner mehr übernehmen will - dann schmerzt es einen ein wenig für die Welt von morgen. «Was willst du später mal werden», fragt Depardon aus dem Off einen kleinen Jungen, den Sohn auf einem der wenigen Höfe, die noch einen Nachfolger finden konnten. «Bauer», antwortet er, wie sein Vater, und die Mutter sagt leise: «Das wird es dann nicht mehr geben.» Eindrucksvoll rundet sich Depardons elegischer Abgesang zum liebevollen Gesamtbild eines verschwindenden Berufsstandes.


RAYMOND DEPARDON

* 1942 in Villefranche-sur-Saône geboren. Er ist ein französischer Fotograf und Dokumentarfilmer mit internationaler Reputation. Bis heute hat er über 40 Bücher publiziert und fast 50 kurze und lange Dokumentarfilme und auch 2 Spielfilme gedreht. Er nahm seine ersten Bilder bei der Premiere von Jean-Luc Godards Film AUSSER ATEM auf. 1967 gründete er mit Gilles Caron die Fotoagentur Gamma, gemeinsam bereisten sie zahlreiche Krisengebiete der Welt. 1978 wechselte er zur Agentur Magnum. Seit 1969 dreht Depardon Filme, zunächst Dokumentarfilme, seit den achtziger Jahren auch Spielfilme. Für seine Fotografien aus dem Tschad erhielt er 1977 den Pulitzer-Preis. Depardon wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit der Robert Capa Gold Medal, dem César Award für den beste Dokumentarfilm, einer Oscar-Nominierung und dem Prix Georges Sadoul. 

Filme sind u.a. REPORTERS (1981), FAITS DIVERS (1983), LES ANNEES DECLIC (1984), LA CAPTIVE DU DESERT (1990), DELITS FLAGRANTS (1994), UN HOMME SANS L’OCCIDENT (2003), JOURNAL DE FRANCE (2014).